Ev.-Luth. Kirchgemeinde Jonsdorf

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Predigt zum Kirchweihfest 2. Oktober 2016 in Jonsdorf

Gnade sei mit euch von unserem Herrn Jesus Christus – gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Amen.

Lasst uns in der Stille beten.

Endlich wird wieder gebaut in Jonsdorf! Auch hier vorn in der Kirche, der Untergrund für die Sitzbänke. Vielleicht haben Sie das auch mit Freude gesehen: gleich zwei Hausneubauten und mehrere Sanierungen. Der Bau eines Hauses schenkt die Freude des Miterlebens. Jeden Tag wächst es Stein für Stein. Voraus geht die Grundsteinlegung. Dann folgt das Richtfest. Bis das Haus äußerlich fertig ist und der Innenausbau beginnt. Wahrscheinlich mit dem Ziel: Kurz vor Weihnachten der Einzug. Wie in einem wunderschönen Traum.

„Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde.“ Im Predigtabschnitt für die Kirmst – das Kirchweihfest – heißt es in Offenbarung 21 „Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen.“ Gott baut das Haus seiner Gegenwart bei uns. Seine Hütte. Er vermittelt uns in diesem zutiefst menschlichen Bild vom Hausbau das Zeichen seiner Gegenwart. Das lässt Geborgenheit entstehen und kommt in dem Wort „Hütte“ der Lutherbibel sehr gut zum Ausdruck. Gottes Wohnung wird nicht ein Schloss, Palast oder Prachtbau, sondern eine einfache Hütte. Gottes Nähe ist zutiefst menschlich.
Natürlich sehen wir im Bau eines Hauses auch andere Zeichen der Zeit. Zeichen des Wohlstandes und der wirtschaftlichen Lage, insbesondere des Geldes. Wenn es keine Zinsen mehr gibt und es auch sonst nur begrenzt ausgegeben werden kann, dann lohnt es sich – erst recht bei guten Kreditbedingungen – eine Immobilie zu erwerben; am schönsten aber ein Haus selbst zu bauen oder nach eigenen Wünschen, bauen zu lassen. Das vermittelt Sicherheit. Die menschliche Phantasie wird angesprochen. Baufirmen und Handwerker kommen im Moment kaum noch um die Fichte, alle diese Wünsche zu erfüllen. Die Auftragsbücher sind voll, das Personal ist knapp und selbst Baustoffe können ein Engpass sein. Auch deshalb ist es sicher gut, dass Gott eine Hütte plant. Er scheitert nicht an unserem menschlichen Unvermögen; an dem Pfusch, den es ja bei allem Schönen auch gibt.
Das Wohnen im Haus verbindet sich aber mit viel mehr als nur den wirtschaftlichen Aspekten. Es vermittelt ein umfassendes Empfinden von Angekommensein, von Heimat, von sich zurückziehen können und gastfrei sein. Was auch immer uns wichtig ist, ein Haus ist der Lebensort, an dem wir uns entfalten können. Ein Haus ist unsere dritte Hülle, ja die dritte Haut nach Organ und Kleidung. Wir „ziehen das Haus an“, um uns wohl zu fühlen, um Lebensraum zu haben.
Worauf setzen wir dabei? Wie ist der Untergrund, nicht nur für unser Bauvorhaben, sondern auch für unser Lebenshaus? Die Grundplatte eines Hauses ist ausgesprochen wichtig. Ins Fundament muss sehr viel gesteckt werden, sonst hat alles weitere keinen Sinn. Auch die Kirche muss in ihren Baustellen darauf achten. Jesus Christus ist der Grundstein, der Eckstein, der Schlussstein. Er ist die Botschaft an die Welt: Sein Leben, sein Kreuz, seine Auferstehung für uns! Die Grundlagen müssen stimmen. Sonst bauen die Bauleute umsonst, wie es der Psalmbeter sagt. (Psalm 127,1) Das sollte uns klar sein. Der Halt bei Gott gibt uns den Lebensgrund. Darauf können wir bauen.
Das Haus steht nicht für sich allein. Es dient dem Wohnen. Schlimm, wenn es leersteht. Dann verfällt es sehr schnell. Vergleichbar der Situation, in der wir uns seelisch nicht im Glauben an Gott gestärkt haben und nur noch innere Leere empfinden. Da ist es doch viel schöner, wenn mehr Leben ist. Junge Familien ziehen in den Ort und beleben die alten Häuser. Das Miteinander der Generationen ist ein kostbarer Teil des Lebens in einem Ort. Wie begegnen wir uns? Das hängt nicht am Geld. Das hängt an uns. Ist es Klatsch oder ein ehrliches, offenes Willkommen heißen?
Im ehemaligen Portalstein der Kirche heißt es: „... halte diese Haus bis ans Ende aller Zeiten offen.“ (Jetzt ist der Stein im Inneren der Kirche zu finden.) Diese Offenheit gilt in mehreren Richtungen. Ein offenes Willkommen für alle Menschen. Jesus ist unvoreingenommen auf andere zugegangen. Selbst wenn er sich dazu, wie bei den Samaritern überwinden musste, nimmt er gern an den gemeinsamen Essen teil, wo andere längst das Weite gesucht haben. Er öffnet die Welt für Gottes Wort. Diese Offenheit erhält uns aufmerksam für das, was uns Gott zu sagen hat. „Und ich hörte ....“ Wir brauchen Orte, Zeiten und Räume, wo wir hören können. Wo das Lebenswichtige nicht von Lärm, Ablenkung und Werbung für alle möglichen Dinge zugedeckt wird. Die Kirche ist kein Selbstzweck, schönes Gebäude oder Museum längst vergangener Zeiten. Sie ist der Platz für Gott, für das Gebet und die Stille, um überhaupt hören zu können. Sie ist Ort des Gottesdienstes und damit der Begegnung mit Gott. Sie gibt dem Wort Gottes Raum: „Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss.“ Sein Wort ist das Lebensmittel. Darin erleben wir das konkrete Gegenüber, die Korrektur, der Zuspruch – alles, was wir zum Leben brauchen. Die Kirche ist der Ort der Generationen. eine Brücke von gestern zu heute und in die Zukunft. Der Hebräerbrief hat diesen Gedanken in einen Vers gebracht, der deshalb über vielen Kirchen als Aufschrift steht. „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.“ (Hebr 13,8). Er verbindet die Generationen der Vorfahren mit uns und allen, die heute leben. Er verbindet uns mit der Zukunft, mit den Menschen die noch kommen werden. Wir können Zukunftsängste und Sorgen voller Vertrauen zu Gott bringen und bei Jesus abgeben. Denn darin liegt die Geborgenheit, im Bild gesprochen: das Haus, die Hütte, der Lebensort, an dem wir bleiben können: „Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein.“ In dieser konkreten Verheißung spricht uns Gott seinen Einsatz für uns zu. Mitten unter uns. Spürbar durch Menschen, wie Du und ich, die sich von ihm rufen lassen. Das bringt ungeahnte Kraft mit sich:
„Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen ...“ Das christliche Miteinander ermöglichen Trösten Zuhören, Ermuntern – das sind unsere Aufgaben. Hier wächst die Kraft, das Mittel zum Leben, wo wir uns verstanden und angenommen fühlen und es auch sind. Dazu wollen wir uns deshalb von Gott rufen lassen getreu dem Motto der Kirchgemeinde über der Innentür der Brauthalle: „Seid aber Täter des Worts und nicht Hörer allein.“ (Jak 1,22a) Die Predigt kann uns das vorbereiten. In den einzelnen Lebenssituationen bekommen wir durch Gottes Wort Rückenwind und Mut. Fassen wir Vertrauen zu Gott, Zutrauen, wie er es zu uns hat, denn er ist bei uns und gibt uns die schönste Perspektive des Lebens: „Siehe, ich mache alles neu!“
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserm Herrn.
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